Nachhaltig heiraten im Brautkleid aus der Secondhand-Boutique

Der Hochzeitstag gilt als der schönste Tag im Leben eines Menschen. Frau und Mann geben sich ihr feierliches Ja-Wort und versprechen sich damit ewige Liebe und Treue.

Unvergessen wird an diesem Tag die Trauungszeremonie im Standesamt oder in der Kirche sein, aber auch die festliche Raum- und Tischdekoration, die Gäste und allem voran natürlich das Hochzeitskleid der Braut.

Ob lang, midi oder kurz, mit oder ohne Schleppe – das Brautkleid ist der Hingucker schlechthin. Seide, Taft und Spitze – der edlen Zutaten sind keine Grenzen gesetzt. Der „Traum in Weiß“ hat deshalb auch seinen Preis, in den meisten Fällen in vierstelliger, möglicherweise sogar in fünfstelliger Höhe.

© Ninnie and Dave

Der Störfaktor im Kleiderschrank

Schnitt, Farbe sowie Stofflagen entfalten für maximal 12 bis 16 Stunden ihren visuellen Zauber. Danach ist das romantische Fest der Sinne vorüber und das Märchenensemble wandert in die chemische Reinigung und von dort in die Tiefen des Kleiderschranks der frisch gebackenen Ehefrau. Nur auf den Hochzeitsbildern und Schnappschüssen wird die einzigartige Hochzeitsrobe für immer verewigt bleiben. Als vergessenes Relikt hinter der mottenabweisenden Schutzhülle mutiert sie Jahr um Jahr eher zum Störfaktor, der wertvollen Raum verschwendet.

Heute, wo Schlagwörter wie Nachhaltigkeit in der Textilwelt und das Schonen von Ressourcen sowie der Umwelt das Bewusstsein von Konsumenten erreichten, hat sich auch in der Brautmode eine Sharing Economy etabliert, die sich auf unterschiedliche Weise zeigt.

Es geht darum, gepflegte und neuwertige Kleidung mit anderen Menschen zu teilen, anstatt sie im Kleiderschrank ungetragen verkümmern zu lassen. Ausleihen statt besitzen ist hier die Devise. Aber auch das Business-Konzept der Secondhand Kleidung steht für nachhaltiges Handeln. Denn das Modeunternehmen der etwas anderen Art hat in Marketing und Werbung investiert, damit interessierte Kundinnen schließlich den gebrauchten  Kleiderschatz von namhaften Marken oder Designern kaufen. Auf diese Weise unterstützen beide  Nachhaltigkeit und fair produzierte Labels.

Nachhaltiges Denken der Generationen

Secondhand liegt immer mehr im Trend der Generationen. Denn neue Kleidungsstücke zu produzieren, belastet nachweislich die Umwelt durch

  • einen hohen Wasserverbrauch
  • die Verschmutzung von Gewässern mit Produktionsabfällen und Farbresten
  • Färbemittel und Mikroplastikabrieb beim Waschen
  • Pflanzenschutz- und Düngemittel

Die positive Folge: das Secondhand-Angebot an Kleidungsstücken wird besonders in deutschen Städten, aber auch online immer größer. Neben Designerkleidung und Vintage-Mode aus unterschiedlichen Jahrgängen, wechseln auf speziellen Tauschbörsen qualitativ hochwertige Kleidungsstücke ihren Besitzer. Flohmärkte, das Internet und allen voran Secondhand-Läden etablieren sich somit als Orte, wo gut erhaltene oder sogar neuwertige Kleidungsstücke zu fairen Preisen angeboten werden.

Kritiker der konsumorientierten Textilindustrie freuen sich über jenen Trend, mahnen allerdings, dass der Fokus bei der Secondhand-Ware stärker auf nachhaltig hergestellte Label liegen sollte – Slow Fashion eben, anstelle von Fast Fashion.

Secondhand-Mode schont Ressourcen

So werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: der soziale Aspekt trifft auf den umweltschonenden. Denn die Weiterverwendung von wertigen Kleidungsstücken schont Ressourcen, da z.B. das Brautkleid bereits den ganzen Herstellungsprozess vom Rohstoff, über die Produktion, Veredelung und den Transport durchlaufen hat.

Auch in der Brautmode hat sich jener Trend bzw. ökologische Anspruch bemerkbar gemacht. Parallel zum Konsum der jährlich neu aufgelegten Brautfashion auf Messen erfreut sich die Secondhand-Variante des „Traums in Weiß“ immer größerer Beliebtheit. Längst ist die Nutzung gebrauchter Roben zu einer Styling-Bewegung geworden und in den meisten Großstädten gibt es Secondhand-Geschäfte, die sich auf Hochzeitskleider spezialisiert haben.

Auch auf diversen Plattformen kann ein gebrauchtes Brautkleid gesucht werden:

Alternativ sind auch soziale Netzwerke ein beliebtes Mittel zum Zweck, wenn ein Brautkleid angeboten bzw. gesucht wird. Facebook, Instagram und Twitter sind ideal, um sich geschmackvolle Angebote anzusehen.

Übrigens: Seriöse Verkaufsangebote von Brautkleidern sind zu erkennen, wenn folgende Informationen nicht fehlen:

  • Name des Labels oder Designers
  • Modellnummer und Name des Brautkleids
  • Maße bzw. Größe und Länge des Kleides
  • Schleppe – ja oder nein
  • Genaue Farbebeschreibung – z.B. Eierschale oder Off-White
  • Form z.B. A-Linie
  • Material z.B. Seide, Chiffon, Spitze
  • Verschlussart z.B. Reißverschluss oder Schnürung
  • Anzahl der Stofflagen
  • Beschreibung der Verzierungen
  • Korrekte Angabe von Beschädigungen oder Flecken

Eine kleine Bilderserie mit detaillierter Beschreibung des Schnitts und des Tragekomforts hilft bei der Einschätzung von Online-Angeboten ungemein und steigert die Chance, dass das „gebrauchte Neue“ nach der Reinigung von einer weiteren strahlenden Braut getragen wird.

Das Gebrauchte spart viel Geld

Ein Hochzeitskleid aus der Secondhand-Boutique spart bis zu 60 Prozent des ursprünglichen Preises. Voraussetzung ist natürlich immer, dass das Hochzeitskleid „wie neu“ aussieht. Das gilt für analoge Angebote im Lieblingsladen seiner Stadt genauso wie für Online-Angebote. Brautkleider sollten innerhalb von zwei Jahre verkauft werden, sonst verlieren sie an Wert, weil sie als veraltet gelten.

Doch den „Tag danach“ gibt es auch für Bräute, die einen Secondhand-Traum getragen haben. Was kann sie also tun, um den nachhaltigen Anspruch weiter zu verfolgen? Natürlich wäre ein Secondhand-Verkauf wieder eine Option. Das Brautkleid kann aber auch zu einem eleganten Cocktail-Kleid oder zum Taufkleid für den künftigen Nachwuchs umgestaltet werden.

Secondhand-Brautkleider bieten somit alle Vorteile für seine Trägerin, aber eben auch für die ganze Gesellschaft. Der schönste Tag im Leben für Braut und Bräutigam verschlingt oft immense Kosten. Ein Brautkleid vom Designer, das aus der Secondhand-Boutique stammt, spart angenehmerweise eine erkleckliche Summe und garantiert trotzdem begeisterten Applaus.

Jede Braut hat natürlich ganz konkrete Vorstellungen ihres Traumkleids und muss – wenn es ein Secondhand Modell sein soll – rechtzeitig mit der Recherche beginnen. Oftmals findet es sich am anderen Ende Deutschlands und die künftige Besitzerin muss eine längere Anfahrt in Kauf nehmen. Alternativ kann sie natürlich auch im Internet auf die Suche gehen. Aber auch das hat seine Nachteile, denn Frau kann das Kleid online nicht anprobieren.

Entwicklung in der Hochzeitsbranche

Wie immens wichtig jungen Paaren heute das perfekte Hochzeitsfest mit Fokus auf Romantik, Gefühl und Stil ist, drückt sich auch darin aus, dass es mittlerweile eine ganze Branche gibt, die sich um die perfekte Inszenierung dieses feierlichen Rituals kümmert. Professionelle Hochzeitsplaner sind mittlerweile auch in Deutschland geläufig und kümmern sich um den reibungslosen Ablauf dieses Festes.

Ein fest definiertes Berufsbild gibt es derzeit zwar noch nicht, aber bundesweit bieten mittlerweile viele IHK-Niederlassungen Lehrgänge mit dem Thema Hochzeitsplanung an. Ein professioneller „Wedding Planner“ arbeitet heute in der Service-Industrie und ist Mitglied in einem eigenen Verein: Das Brautpaar ist Kunde und er organisiert alles, um Planungszeit und die Traumhochzeit zu optimieren. Er selbst schließt mit dem Brautpaar einen Vertrag über die Hochzeitsplanung und legt darin sein Honorar fest. Das können fixe Beträge sein, eine Abrechnung nach Stunden oder eine Summe prozentual vom Budget. Wichtig ist, dass der Wedding Planner sein Unternehmen angemeldet hat und seine Buchhaltung ordnungsgemäß führt. Im Vertrag zwischen Planer und Brautpaar ist oft nicht geregelt, ob der Hochzeitsplaner Provisionen von den Dienstleistern entgegennehmen darf. Derartige Zahlungen sind normalerweise illegal.

Ist der Planer laut Vertrag allerdings der Veranstalter der Hochzeit, so hat er alle Rechte und Pflichten eines solchen: Er kauft alle beteiligten Dienstleister ein, schließt Verträge auf seinen Namen und verkauft diese Leistung dann an das Brautpaar weiter – eventuell mit einem Aufschlag auf die eigentliche Summe. In diesem Zusammenhang sind Provisionen im Regelfall legal.

Die Branche boomt und die professionellen Organisatoren lassen Visionen von Braut und Bräutigam wahr werden – und das möglichst innerhalb des festgelegten Budgets. Denn Hochzeitsplanung ist auch Budgetplanung. Es gehört zu seinen Aufgaben, Kosten einzuschätzen und die diversen Posten klug zu verhandeln. Denn seine Beratung hilft dem künftigen Ehepaar, bares Geld zu sparen und wenn dann noch der Gang in die Secondhand-Boutique mit dem Kauf eines zauberhaften Brautkleides belohnt wird, freuen sich alle Drei: Braut, Bräutigam und ihr Weddingplaner!