Nicht alle Brautpaare sind Anfänger, es gibt durchaus Wiederholungstäter: Studien zufolge geht jede sechste geschiedene Person eine weitere Ehe ein. Auch Sylvie Meis traute sich noch einmal: Im September hat die Moderatorin den deutschen Künstler Niclas Castello in Florenz geheiratet. Nicht selten wirft so eine Entscheidung Fragen auf: Kann das überhaupt funktionieren, ein zweiter schönster Tag im Leben, reicht es womöglich nur für den zweitschönsten? Zweifellos wird es der allerschönste, sagt Hochzeitsexpertin Nadine Metgenberg von Fine Weddings & Parties, solange man ein paar Regeln beachtet. Wie der Neustart zwischen Patchwork und rosa Wolken gelingt, erklärt die Wedding- und Eventplanerin im Interview.

Dieser ganze Aufwand, die Kosten, der Erwartungsdruck – und trotzdem heiratet mindestens jeder oder jede Sechste nach einer Scheidung nochmal: Müsste man es nicht besser wissen?

Genau das tun die Brautpaare in dem Fall ja: Sie wissen dank ihrer Erfahrungen besser, was sie empfinden und wie sie dazu stehen. Die rosarote Brille ist ab, die Entscheidung, noch einmal zu heiraten, ist viel bewusster als beim ersten Mal. Liebe ist der simpelste und zugleich beste denkbare Grund für eine Hochzeit. Beim ersten, beim zweiten Mal, jedes Mal. Wer sich dafür entscheidet, der meint es ernst. So etwas nimmt man nicht ohne Grund auf sich.

Bedeutet die Aussage „Bis, dass der Tod euch scheidet“ dann überhaupt noch etwas?

Natürlich sollte eine Heirat keine leichtfertige Entscheidung sein, im Gegenteil. Aber wir müssen erkennen, dass sich die gesellschaftlichen Bedingungen durch das neue Rollenverständnis und die höhere Lebenserwartung verändert haben. Die Versorgungsehe hat ausgedient, es geht nicht mehr nur darum, die Kinder großzuziehen und ein Haus zu bauen. Die Erwartungen an die Ehe basieren heute viel stärker auf einer romantischen Haltung, wir wünschen uns einen Partner für den emotionalen Halt, die sexuelle Erfüllung, die Umsetzung gemeinsamer Ziele. Und wenn zwei erkennen, es hat mal gepasst, aber jetzt tut es das nicht mehr, ist es auch in Ordnung, dass man sich scheiden lässt. Und auch wenn das oft verwechselt wird: Das heißt nicht, dass die Beziehung gescheitert ist!

Für Weddingplaner ist eine zweite Hochzeit ja naturgemäß ein Grund zur Freude, oder?
Na sicher, Lothar Matthäus, Gerhard Schröder und Liz Taylor wären Traumkunden! Aber jetzt mal im Ernst: Was gibt es schöneres als eine zweite große Liebe zu finden und das angemessen zu zelebrieren? Und zwar aufrecht, ohne Scham, als klares Statement mit einer öffentlichen Zeremonie, bei der sich zwei das Jawort geben. Unter unseren Kunden wagt etwa jeder vierte einen Neustart, einen dritten Versuch hatte ich allerdings noch nicht.

Worin unterscheidet sich die zweite von der ersten Hochzeit am deutlichsten?
Beim ersten Mal sind die Paare naturgemäß jünger, sodass bei den Entscheidungsprozessen meist Eltern, Geschwister und Trauzeugen mit im Boot sitzen. Beim nächsten Mal sind die Eltern dann außen vor, die gesamte Planung verläuft gelassener und entspannter. Die Paare wissen genau, was sie wollen und vor allem, was nicht. Sie sind deutlich gereiftere Persönlichkeiten. Auch führt der Vater die Braut nicht mehr zum Altar, die ist ja eine gestandene Frau. Eine meiner Bräute wurde zum Beispiel von ihren – zugegebenermaßen sehr coolen – Brüdern in die Mitte genommen und den Gang hinuntergeführt. Auch wird die zweite Ehe nur selten in der Kirche geschlossen. Für Katholiken ist das ja ohnehin nicht möglich. Grundsätzlich sehen wir bei Fine Weddings & Parties aber den Trend, dass 80 Prozent unserer Kunden freie Trauungszeremonien bevorzugen.

Sollte man sich das Einverständnis der Kinder holen?
Ich persönlich bin der Meinung, dass man die Entscheidung sowohl zu einer Scheidung als auch zu einer zweiten Ehe zunächst für sich selbst treffen muss. Ist die Sache erst einmal beschlossen, sollte man die Kinder natürlich ins Boot holen. Dabei erweist es sich durchaus als „smart move“, wenn beispielsweise der Mann die Kinder aus erster Ehe fragt, ob er ihre Mutter heiraten darf. Du hast immer schlechte Karten, wenn du die Kinder nicht auf deiner Seite hast, also integriere sie. Wenn sie älter sind, erweise ihnen Respekt. Vielleicht führt der Sohn aus erster Ehe die Mutter zum Altar. Das ist eine sehr wertschätzende und emotionale Geste.

Macht die Patchwork-Familie eigentlich alles komplizierter?
Meine Devise lautet „Keep it simple!“ Eine Hochzeit ist das beste Zeichen dafür, dass der neue Partner verbindlich in die Familie aufgenommen wird. Patchwork-Beziehungen gehören mittlerweile zum Alltag, die Befindlichkeiten gehen deutlich zurück. Nicht nur der Kinder wegen, sondern aus Respekt vor dem vergangenen Lebensabschnitt sollten die Partner aus erster Ehe eingeladen werden, sofern es keinen Rosenkrieg gab.

Welche Fettnäpfchen gilt es zu vermeiden? Was ist erlaubt?
Insbesondere, wenn Kinder aus erster Ehe im Spiel sind, finde ich es gut, die vorherigen Ehepartner in den Hochzeitsreden lobend zu erwähnen. Ein respektvoller Satz, fertig. Natürlich sollte sich nicht der Großteil der Rede um die virtuosen Klavierkünste der Ex-Schwiegertochter drehen. Und der Brautvater in seiner Ansprache nicht unbedingt beklagen, wie gerne er früher mit dem Vorgänger-Schwiegersohn Golf gespielt hat. Im besten Fall verstehen sich alle gut und gehen entspannt miteinander um. Ansonsten müssen sich manche eben ein bisschen zurücknehmen – schließlich geht es an dem Tag ausschließlich um das Brautpaar.

Manche feiern ihre zweite Hochzeit lieber bescheiden im kleinen Kreis, tragen kein Brautkleid, schon gar nicht in Weiß. Wie finden Sie das?
Es gehört Mut dazu, eine neue Liebe zu feiern, ungeachtet dessen, was andere denken könnten. Gerade Frauen haben in dieser Hinsicht noch immer mit Selbstzweifeln und Vorurteilen zu kämpfen nach dem Motto: „Das Versprechen hat sie ja schon einmal gegeben und gebrochen.“ Einer Frau würde man viel weniger zugestehen, zum fünften Mal zu heiraten – und dann auch noch einen 27 Jahre Jüngeren. Ganz anders bei Lothar Matthäus, da verdrehen die Leute nicht mal mehr die Augen. Doch wir sollten uns endgültig davon verabschieden, dass die zweite Hochzeit etwas Schändliches ist oder ein Zeichen für Versagen. Deshalb halte ich auch ein weißes Brautkleid in keiner Weise für unangebracht.

Wer bestimmt, wie die zweite Hochzeit abläuft?
Die Braut. Es ist immer die Braut, die bestimmt – bei der ersten, zweiten und dritten Hochzeit. Jedenfalls kenne ich keinen Mann, der ein Pinterest-Moodboard angelegt hat und sich bereits als 13-Jähriger ausgemalt hat, was er zu seiner Hochzeit tragen würde. Für Männer spielt es in dem Zusammenhang auch keine Rolle, ob die Frau zuvor bereits verheiratet war. Ganz anders die Braut: Wenn nur der Mann zum zweiten Mal heiratet, wird die Hochzeitsfeier auf Wunsch der Zukünftigen oft besonders aufwendig inszeniert, um sich von der ersten Hochzeit abzugrenzen.

Viele Brautpaare lassen es in der zweiten Runde aber nochmal richtig krachen. Was steckt dahinter?
Die meisten setzen damit bewusst ein Zeichen. Die verstecken sich nicht, die sagen: Wir haben uns nochmal verliebt und wir machen das! So wie kürzlich ein Paar Anfang 60 – beide hatten erwachsene Kinder und mit dem Thema Ehe eigentlich längst abgeschlossen – und dann erwischt es sie komplett! Also haben sie mit der gesamten Patchwork-Familie richtig groß an der Ostsee geheiratet. Bei einer anderen Hochzeit auf Capri kamen die meisten Gäste aus Deutschland angeflogen. Die Brautmutter tanzte mit ihren 85 Jahren voller Freude über das neue Glück ihrer Tochter bis morgens um sechs Uhr durch. Das nenne ich mal eine Ansage!

Inwiefern kann eine Hochzeitsfeier etwas über die Haltbarkeit der Beziehung aussagen?
Ich persönlich möchte dazu lieber nicht spekulieren. Aber es gibt zu diesem Thema eine Reihe unterhaltsamer Studien aus dem Bereich der quantitativen Familiensoziologie. Sie erforscht, welche Faktoren Einfluss darauf haben können, dass Menschen sich scheiden lassen. Besonders gut gefällt mir die These, dass Ehen umso länger halten, je mehr Gäste bei der Trauung anwesend waren. Man vermutet, es liegt am sozialen Druck, den die aufwendige Zeremonie vor einer große Schar Anwesender erzeugt – und der die Peinlichkeit einer späteren Scheidung signifikant erhöht.

Sie selbst waren ebenfalls schon einmal verheiratet. Würden Sie es wieder wagen, wenn der Richtige kommt?
Meine Hochzeit ist wirklich schon sehr lange her, ich war Mitte 20, noch gar kein fertiger Mensch. Heute bin ich doppelt so lange geschieden, wie ich verheiratet war. Damals habe ich die Heirat total ernst gemeint. Und ebenso ernst war es mir mit der Scheidung. Das bedeutet nicht, dass ich die Beziehung bereue. Es bedeutet nur, dass sich etwas verändert hat, und dass ich mich weiterentwickelt habe. Trotzdem – oder gerade deshalb – würde ich jederzeit wieder heiraten. Man muss es ja nicht gleich wie Zsa Zsa Gabor halten: „Eine Frau muss aus Liebe heiraten“, sagte sie, „und so lange weiter heiraten, bis sie sie gefunden hat.”

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